Auflieger in der Geltinger Bucht

 

Bei der Kosmos Bulkschiffahrt waren wir u. a. für drei ULCC zuständig.

 

Zwei davon, der TI "Bremen" und der TI "Bonn", beide jeweils ca. 395.000 Ladetonnen, wurden vorübergehend in der Geltinger Bucht geparkt. Mit den beiden Tankern befanden sich dort, während der Ölkrise, noch weitere 11 aufgelegte Tanker.

Die Schiffe waren jeweils mit "einem" Dieselmotor ausgerüstet, da im Normalbetrieb die Stromversorgung mit einem Turbogenerator erfolgte. Der Dieselmotor wurde nur zum Anfahren der Dampfanlage benötigt. Die beiden aufgelegten Tanker lagen im Päckchen Bug/Heck. Die Stromversorgung für beide Schiffe erfolgte jeweils von einem Schiff, da ein entsprechend langes Stromkabel verlegt worden war.

Im Jahre 1978 wurde der TI "Bonn", nach einer relativ kurzen Aufliegerzeit, wieder in Fahrt gesetzt und der TI "Bremen" lag dann alleine vor Anker und wartete auf bessere Zeiten.

Anfang 1979 erreichte uns von dem TI "Bremen" die Schreckensnachricht, dass im Schmierölfilter des Dieselmotors geringe Spuren von metallischen Elementen festgestellt worden waren . Was nun???

Umgehend wurde ein kleiner Dieselmotor in Bremen angekauft, damit wir genügend Beleuchtung hatten um Untersuchungen und Reparaturen am Dieselmotor durchführen zu können. Weiterhin könnten wir damit noch Suppe warm machen und evtl. noch einige Heizkörper in Betrieb nehmen. Der kleine Dieselmotor (italienischer Hersteller) wurde dann sofort getauft, und hieß fortan unser "Kleiner Italiener". Der Motor wurde zum Cafe Seeblick (Geltinger Bucht) gefahren und von dort mit dem Eisenschlitten, gezogen vom Pony Tinka, zum Tanker gebracht, denn zu diesem Zeitpunkt war die Geltinger Bucht zugefroren.

Gleichzeitig wurde Plan B erörtert.

Was passiert wenn der Dieselmotor einen größeren Schaden hat und nicht sofort repariert werden kann? Ein Stromaggregat anmieten - kein Problem. Ein entsprechendes 50/60 Hz Aggregat mit ca. 150 kVA stand bei Zeppelin in Achim zur Verfügung. Stromaggregat mit einem Hubschrauber an Bord fliegen - entsprechende Hubschrauber standen nicht zur Verfügung. Barge/Schlepper chartern, der das Stromaggregat zum Schiff bringt. Bedingt durch die hohe Eisdicke standen keine Fahrzeuge zur Verfügung. Aber nach langen Diskussionen wollte uns die Marine in dieser Notsituation einen Marineschlepper zur Verfügung stellen.

Nach der teilweisen Demontage des Dieselmotors teilte uns der Monteur mit, dass der Dieselmotor nicht in kurzer Zeit repariert werden könnte, da sich ein Lagerschaden angebahnt hatte und daher unter keinen Umständen, auch nicht mehr vorübergehend in Betrieb gehen könnte.

Also Plan B.

Nach insgesamt vier stromlosen Tagen erreichte uns dann Marineschlepper mit dem an Bord befindlichen Stromaggregat. Wir baten den Schlepper, uns mit Strom zu versorgen, damit wir das Stromaggregat mit unserem Bordkran an Bord hieven könnten. Der Schlepper hatte aber keine Einrichtung uns mit Strom zu versorgen. Entsetzte Augen, da es ja keinen Plan C gab. Was tun??

Das Stromaggregat wurde auf dem Schlepper inspiziert. Der Kapitän auf dem Schlepper signalisierte, dass er bereit wäre noch ca. 1 Stunde zu warten, da sein Schlepper, bedingt durch die Eisfahrt, noch im Hellen seinen Heimathafen erreichen müsste. Und nun??

Es wurde die Idee vorgebracht vom Stromaggregat ein E-Kabel zum Bordkran zu verlegen, den Dieselmotor zu starten und dann das laufende Stromaggregat mit dem Bordkran an Bord zu hieven. Wir guckten uns erst alle etwas ungläubig an, aber dann schritten wir zur Tat. Nachdem die notwendigen Arbeiten abgeschlossen waren, wurde das laufende Stromaggregat mit dem Bordkran an Deck gehievt und dort an den Landanschluss angeschlossen.

Endlich hatten wir wieder eine ausreichende Stromversorgung und mir fielen Baggersteine vom Herzen !!